Digitalisierung in der Landwirtschaft

Die Welt vernetzen

Im Moment sind Wörter wie Industrie 4.0, Internet of Things bzw. Internet der Dinge und Cloud in aller Munde. Die Chancen dieser Konzepte sind enorm. Doch viele wissen gar nicht von welchen Chancen hier gesprochen wird. Weiterhin weckt die Digitalisierung viele Ängste und Fragen. Anhand eines Beispiels aus der Landwirtschaft möchte ich auf diese Themen eingehen.

Doch zunächst muss geklärt werden, was die Industrie 4.0 überhaupt will? Diese Frage ist schnell und einfach geklärt: Daten!

Es geht schlicht und einfach um das sammeln von Daten. Und davon eine große Menge, weshalb man auch von BigData spricht. Diese Daten sind oft Messdaten von Sensoren. So könnte z.B. ein Motorenhersteller großes Interesse daran haben, kontinuierlich von all seinen ausgelieferten Motoren möglichst detailnahe Telemetriedaten zu erhalten. Die Analyse der Daten könnte dem Hersteller neue Erkenntnisse zur Verbesserung seiner Motoren liefern. Aber auch der Käufer des Motors profitiert durch eine Früherkennung von Fehlzuständen, so dass ein Motorschaden verhindert wird. Für Hersteller und Verbraucher handelt es sich um eine Win-Win-Situation.

Damit die Daten gesendet werden können, bedarf es Sensoren, die möglichst klein sind und Daten direkt versenden können. Hiermit beschäftigt sich das Internet der Dinge (IoT / Internet of Things). Hier werden Konzepte beschrieben, die es ermöglichen intelligente Sensoren zu erstellen.

Zu guter Letzt müssen die gesammelten Daten irgendwo gespeichert werden. Hier spricht man von einer Cloud, was in erster Linie ein Speicher für alle Sensordaten ist. Aber um die Daten auswerten zu können, kann die Cloud noch vieles mehr. Man spricht von einer Cloud-Plattform, wenn neben dem Speichern von Daten noch zusätzlich ein Frontend zur Verfügung gestellt wird, um die Daten visuell aufzubereiten. Weiterhin sorgen verschiedene Backends dafür, dass die Daten entgegen genommen werden oder weiteren Services bereit gestellt werden können. Dies sind oft Web-APIs.

Nur was sind nun konkrete Chancen?

Wir von der Firma Prüllage Systeme beschäftigen uns seit Jahren um das Thema Landwirtschaft 4.0 oder auch Smart Farming genannt. Im Grunde genommen sollen hierbei die Konzepte aus der Industrie in der Landwirtschaft genutzt werden. Speziell auf den Bereich Schweinefleisch-Produktion haben wir seit Jahren den Fokus gelegt. Mittlerweile sind wir so weit, dass Cloud-basierend alle Sensordaten, Futterverbräuche und Managementdaten über die Cloud abgefragt werden können. Aber auch die Änderung von Sollwerten ist z.B. mittels Handy-App möglich. Das Besondere an dieser Lösung ist, dass mehrere Benutzer gleichzeitig an den Anlagen arbeiten können, ohne sich gegenseitig zu stören. Weiterhin ist es egal, ob jemand vom Handy arbeitet, ein anderer am PC daheim und wieder ein anderer am Tablet. Auch die Konzepte verschiedene Services bereit zu stellen wurde bereits umgesetzt, woraus unserer Extension-App-Plattform entstanden ist. Unser Team-Bild soll dies veranschaulichen. Wir alle arbeiten bei der Aufnahme des Fotos auf den selben Anlagen.

Team Entwicklung Prüllage

Das Team Software-Entwicklung von Firma Prüllage Systeme

Nur was sind zukünftig weitere Chancen?

Mal angenommen jeder Hersteller von Fütterungs- und Lüftungsanlagen speichert seine Messwerte in ein und derselben Cloud. Und nicht nur diese, sondern auch die Schlachtbetriebe und alle Unternehmen, die an der Wertschöpfungskette der Fleischproduktion noch beteiligt sind. Hierdurch wäre es möglich, dass die aktuelle Nachfrage des Verbrauchers Eingriff nehmen könnte auf die Aufzuchts- bzw. Mastdauer von Tieren. Dies würde dazu führen, dass der Fleischpreis konstanter sein würde und eine Überproduktion vermieden werden würde. Auch die Umwelt profitiert von solchen Konzepten, da Touren von z.B. Futtermitteln oder Tiertransporten besser organisiert werden könnten. Weiterhin wäre es möglich das Vertrauen des Verbrauchers zu stärken, wenn dieser Folgendes genau nachvollziehen könnte:

  • Welche Futtermittel hat das Tier bekommen
  • Welche Tierärztliche Behandlungen wurden vorgenommen
  • Welchen klimatischen Bedingungen war das Tier ausgesetzt
  • Von welchem Tier stammt es ab und welche Transportwege hat es hinter sich
  • Welche Umweltbelastungen hat das Tier verursacht

Die Liste ist mit Sicherheit noch längst nicht vollständig. Aber eines steht fest. Das Tierwohl wird massiv gestärkt und der Verbraucher kann sich davon selber überzeugen ein qualitativ hochwertiges Stück Fleisch zu kaufen, was zusätzlich die Wertschätzung und den Preis steigen lässt.

Weitere Chancen liegen darin, dass die gewonnenen Daten z.B. einer künstlichen Intelligenz zur Verfügung gestellt werden könnten. Diese könnte dann weitere Schwachstellen in der Prozesskette erkennen und evtl. auch Verbesserungen selbstständig vornehmen.

Und genau diese ganzen Sachen rufen bei vielen auch die Ängste auf. Die Kommunikationswege müssen jedem transparent aufgezeigt werden können, um auch das Vertrauen der an der Produktionskette verantwortlichen Unternehmen zu gewinnen. Genau dies ist extrem schwer, was ich als Programmierer selber immer wieder erlebt habe.

Weitere Ängste an der Digitalisierung sind wahrscheinlich auch das Stichwort „Jobverlust“. Eines steht fest: Die Digitalisierung wird nicht zu mehr Arbeitslosigkeit führen, allerdings werden viele Berufsbilder um weitere Kenntnisse und Fähigkeiten erweitert werden müssen oder es werden neue Berufsbilder entstehen.

Die Chancen sind, wie schon oben erwähnt, enorm. Jeder der an der Digitalisierung mit wirkt, muss allerdings für einige Punkte eine hohe Priorität setzen. Dies wären zunächst die Sicherheit und die Transparenz. Außerdem ist sehr viel Aufklärungsarbeit notwendig.

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